Co-Autorin in „Achtsamkeit mitten im Leben“

Cover-Hölzel_Brähler,CoverBritta Hölzel | Christine Brähler (Hrsg.)

Achtsamkeit mitten im Leben

Anwendungsgebiete und wissenschaftliche Perspektiven

336 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

€ 19,99, O.W. Barth, München

Erscheinungstermin: 4. Mai 2015


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Presseinformation

 

Achtsamkeit im Hofbräuhaus

Mit der Neuropsychologin und Meditationsforscherin Dr. Britta Hölzel sowie der psychologischen Psychotherapeutin Dr. Christine Brähler sowie anderen Achtsamkeitslehrerinnen engagiere ich mich im Center for Mindfulness in München. Gemeinsam wollen wir zu mehr Achtsamkeit mitten im Leben inspirieren. Wir veranstalten jedes Jahr einen öffentlichen Achtsamkeitstag mit kurzen Vorträgen und Praxisübungen im Hofbräuhaus und würden uns über Ihr Interesse freuen (28. November 2015, 10-13:00 Uhr; Eintritt frei).
www.center-for-mindfulness.de

 

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Leseprobe meines Beitrags „Säkulare Ethik und Achtsamkeit als Lebenspraxis“, S. 305 ff.

 

 

Säkulare Ethik und Achtsamkeit als Lebenspraxis

Michaela Doepke

Sind Achtsamkeit und Ethik in Zeiten von postmoderner Vielfalt unterschiedlicher Lebensstile Ausdrucksformen einer neuen Sinnsuche nach Spiritualität? Achtsamkeit ist jedenfalls trendy. In den USA spricht man bereits von einer „Achtsamkeitsrevolution“. Auch in Europa hat Achtsamkeit ihren Weg in Wissenschaft, Therapie, Pädagogik und Wirtschaft gefunden. Und sie hält unermüdlich weiter Einzug in Firmen, Organisationen, Banken und Unternehmen.

 

In Zeiten, in denen das Läuten der Kirchenglocken von vielen Menschen überhört wird, wächst ein neues Bedürfnis nach selbstbestimmter Spiritualität, frei von Glauben, Institutionen und Vorbildern. So hält eine zunehmend hektische Gesellschaft heute eher beim Ton der Achtsamkeitsglocke inne und besinnt sich auf die wohltuende und heilsame Stille. Ist dies eine Chance für eine neue säkulare Ethik zum Wohl der Menschen, eine Ethik, mit der sich alle Menschen identifizieren können?

 

Der Molekurarbiologe Jon Kabat-Zinn hatte die Achtsamkeit in den 70-er Jahren zunächst von ihrem spirituellen Mantel entkleidet, um sie zur Genesung seiner Schmerzpatienten einzusetzen. Er entwickelte mit dem Programm „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (MBSR) ein Erfolgsmodell, das heute unabhängig von Religion allen Menschen zugute kommt. Im Gesundheitswesen und Unternehmen werden seither MBSR-Kurse weltweit zur Stressbewältigung und Burn-out-Prophylaxe eingesetzt. Gestützt auf die Ergebnisse aus der Gehirnforschung entdeckt eine gestresste Gesellschaft, deren Menschen teilweise den Kontakt zu sich und der Welt verloren haben, die heilende Kraft der Achtsamkeit. Diese Entwicklung ist an sich positiv zu bewerten.

 

Die Frage ist auf der anderen Seite: Ist Achtsamkeit lediglich eine Technik, um die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen zu verbessern oder dient sie der Profitmaximierung und Herstellung von umweltzerstörenden Produkten? Wohin führt ein Trend von zum Teil selbsternannten Achtsamkeitscoaches, wenn er lediglich zur Selbstoptimierung und Leistungssteigerung von Mitarbeitern in Firmen missbraucht wird und nicht am Gemeinwohl und menschlichen Werten orientiert ist? Und wohin führt eine Entwicklung, wenn intelligente Menschen die Achtsamkeit sogar ins Militär eingeführt haben?

 

Häufig wird aufgrund der Popularisierung der Achtsamkeit verdrängt, dass Achtsamkeitspraxis ihren Ursprung in spirituellen Traditionen wie dem Buddhismus hat und hier stets in einem ethischen Kontext steht. Interessanterweise setzen sich heute viele aufgeschlossene religiöse Führungspersönlichkeiten wie der Dalai Lama oder Thich Nhat Hanh für eine säkulare Ethik ein. Warum? Weil sie alle Menschen unabhängig von ihrem religiösen Glauben vereinen kann und eher als eine einzelne Religion in der Lage ist, die massiven Probleme der Welt zu lösen. Doch dazu später mehr. …